Wer in der Hautpflege nach Feuchtigkeit sucht, landet fast zwangsläufig bei der Hyaluronsäure. Doch lange bevor dieser Begriff in die Kosmetikregale einzog, hatte die chinesische Heiltradition bereits einen eigenen Favoriten für eine pralle, gut durchfeuchtete Haut: die Tremella (botanisch Tremella fuciformis, im Deutschen „Silberohr” oder „Schneeohr”). Der gallertartige, durchscheinend weiße Pilz wächst in zarten, korallenartigen Lappen an Laubholz und galt am chinesischen Kaiserhof als Delikatesse und Schönheitsmittel. Heute interessiert sich auch die moderne Forschung für seine wasserbindenden Polysaccharide — und vergleicht sie mit dem Star der Anti-Aging-Pflege. Was die aktuelle Wissenschaft an diesem außergewöhnlichen Pilz gerade entdeckt, sehen wir uns jetzt an.

Was die Tremella ausmacht

Die Tremella ist ein gallertartiger Speisepilz mit weicher, fast schmelzender Textur und einem sehr milden Geschmack — in der asiatischen Küche wird sie für süße Suppen und Desserts ebenso verwendet wie als Heilpilz. Anders als die holzigen Vitalpilze besteht sie zu großen Teilen aus einer geleeartigen Masse, und genau diese Beschaffenheit ist kein Zufall: Sie geht auf einen außergewöhnlich hohen Anteil wasserbindender Polysaccharide zurück.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird das Silberohr dem „Yin” zugeordnet und mit Befeuchtung, Lunge, Haut und einem jugendlichen Erscheinungsbild in Verbindung gebracht — am chinesischen Kaiserhof galt es als Schönheitsmittel. Aus dieser Tradition stammt der bis heute geläufige Beiname „Schönheitspilz”.

Die Wirkstoffe

Im Mittelpunkt der Forschung steht beim Silberohr eine einzige, dafür umso bemerkenswertere Stoffgruppe:

  • Tremella-Polysaccharide (TFP) — hochverzweigte, saure Mehrfachzucker. Strukturell handelt es sich um ein Glucuronoxylomannan: ein Rückgrat aus Mannose mit Glucuronsäure- und Xylose-Seitenketten.1

Diese saure, stark verzweigte Architektur ist der Schlüssel zur auffälligsten Eigenschaft des Pilzes. Die zahlreichen wasseranziehenden Gruppen entlang der Zuckerketten binden Feuchtigkeit regelrecht ein — die Polysaccharide können ein Vielfaches ihres eigenen Gewichts an Wasser festhalten.1 Daneben enthält die Tremella, wie andere Vitalpilze auch, Beta-Glucane sowie phenolische Verbindungen mit antioxidativem Potenzial.4

Ein wichtiger Punkt zur Einordnung: Für Vitalpilze gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben (EFSA-Claims). Aussagen zu ihrer Wirkung beziehen sich daher immer auf die allgemeine Studienlage, nicht auf eine behördlich anerkannte Funktion.

Hautfeuchtigkeit: die „natürliche Hyaluronsäure”

Der meistdiskutierte Effekt der Tremella betrifft die Feuchtigkeit. Hyaluronsäure ist deshalb so beliebt, weil sie als körpereigener „Feuchtigkeitsspeicher” große Wassermengen in der Haut hält. Genau hier setzt der Vergleich mit dem Silberohr an: Auch die Tremella-Polysaccharide sind ausgesprochene Wasserbinder.

Eine aktuelle Untersuchung hat ein aus Tremella gewonnenes Polysaccharid Seite an Seite mit Hyaluronsäure analysiert. Das Ergebnis: ein mit Hyaluronsäure vergleichbares Struktur- und Wasserhalteprofil — beschrieben als pflanzliche, nicht-tierische Quelle für einen hyaluronsäureähnlichen Wirkstoff.2 Damit rückt die Tremella als faszinierende, vegane Alternative in den Blick — ein Ansatz, der Forscherinnen und Forscher gerade besonders beschäftigt.

Wichtig zur ehrlichen Einordnung: Diese Befunde stammen weit überwiegend aus dem Labor und aus kosmetischen Anwendungen auf der Haut. Wie sich der Verzehr eines Tremella-Präparats auf die Feuchtigkeit Ihrer Haut von innen auswirkt, ist beim Menschen noch nicht in großen Studien belegt. Ob sich das spannende Laborbild für Sie persönlich übersetzt, lässt sich am besten in einem eigenen, achtsamen Versuch herausfinden.

Antioxidans und Hautschutz

Eine zweite Forschungslinie betrifft den Schutz der Hautzellen vor oxidativem Stress — jener Belastung durch reaktive Sauerstoffmoleküle, die als ein Treiber der Hautalterung gilt.

In einem Zellmodell mit menschlichen Hautfibroblasten — den Bindegewebszellen, die Kollagen und Elastin bilden — wurden die Zellen mit Wasserstoffperoxid unter oxidativen Stress gesetzt. Eine Vorbehandlung mit Tremella-Polysaccharid milderte die Schäden ab und schützte die Zellen vor dem programmierten Zelltod. Als molekularer „Schutzschalter” zeigte sich dabei eine vermehrte Aktivität von SIRT1, einem Eiweiß, das mit Zellschutz und Langlebigkeit in Verbindung gebracht wird.3

Ein zusammenfassender Übersichtsartikel zu Pilzextrakten in der Hautpflege ordnet die Tremella in dieselbe Richtung ein: antioxidative, lichtschützende und feuchtigkeitsspendende Eigenschaften, die sie zu einem interessanten Kandidaten für die Anti-Aging-Forschung machen.4 Die Laborforschung zeichnet hier ein vielversprechendes Bild — ein spannender Ansatzpunkt, an dem die Hautforschung mit großem Interesse weiterarbeitet.

Anwendungsgebiete im Überblick

AnliegenWorüber die Wirkung diskutiert wirdForschungsstand
Hautfeuchtigkeit & Spannkraftwasserbindende Polysaccharide, HA-ähnliches Profilin der Laborforschung gut beschrieben
Schutz vor Hautalterungantioxidativer Zellschutz, SIRT1-Aktivierungin der Forschung (Zellmodell)
Allgemeine VitalitätBeta-Glucane, immunbezogene Polysaccharidetraditionell verwendet
Feuchtigkeit von innenÜbertragung der Hautwirkung auf orale Einnahmeoffen – größere Humanstudien fehlen

Einnahme und Qualität

Bei Vitalpilzen entscheidet die Qualität über das, was tatsächlich im Präparat steckt:

  • Auf den Polysaccharid- bzw. Beta-Glucan-Gehalt achten — und nicht nur auf die pauschale Angabe „Polysaccharide”. Letztere zählt oft auch Stärke aus dem Anbausubstrat mit und sagt wenig über die wirksamen Bestandteile aus. Gerade bei der Tremella, deren Reiz in ihren besonderen Polysacchariden liegt, lohnt der Blick auf eine konkrete Zahl.
  • Extrakt oder Pulver: Heißwasser- und Dual-Extrakte erschließen die wasserbindenden Polysaccharide besser als reines Pulver.
  • Reinheit und Herkunft: Pilze können Stoffe aus dem Boden anreichern. Seriöse Anbieter weisen Laborprüfungen auf Schwermetalle, Schimmel und Rückstände aus.
  • Kombination: Für die Haut wird Tremella oft mit Begleitstoffen kombiniert, die zur normalen Kollagenbildung beitragen — etwa Vitamin C.
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Sicherheit und Wechselwirkungen

Die Tremella ist ein milder Speisepilz und gilt als gut verträglich. Zu beachten:

  • Pilzallergie: Bei bekannter Allergie gegen Pilze meiden.
  • Blutzucker und Gerinnung: In Studien wurden für Tremella-Polysaccharide blutzucker- und blutfettsenkende sowie gerinnungsbeeinflussende Effekte beschrieben — bei entsprechender Medikation (z. B. Blutzuckersenker, Gerinnungshemmer) ärztliche Rücksprache halten.
  • Qualität: Auf Reinheitsprüfungen (Schwermetalle) achten — gerade weil Pilze Stoffe aus dem Boden anreichern können.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die Datenlage ist unzureichend; vorsorglich meiden bzw. ärztlich abklären.

Was Sie mitnehmen sollten

  1. Die Tremella (Silberohr) ist der traditionelle Schönheitspilz der chinesischen Heilkunde — und ihr Reiz liegt in einer einzigen, bemerkenswerten Stoffgruppe: den wasserbindenden Polysacchariden.
  2. Diese Polysaccharide halten ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser; eine aktuelle Studie beschreibt ein mit Hyaluronsäure vergleichbares Profil — daher der Beiname „natürliche Hyaluronsäure”. Das ist ein faszinierender, vor allem im Labor gut beschriebener Ansatz.
  3. In Zellmodellen schützen die Polysaccharide Hautzellen vor oxidativem Stress (über SIRT1) — ein vielversprechender Hinweis auf antioxidative Eigenschaften.
  4. Qualität entscheidet — ausgewiesener Polysaccharid- bzw. Beta-Glucan-Gehalt und Reinheitsprüfungen sind wichtiger als der Preis. Größere Humanstudien zur Wirkung von innen stehen noch aus; als sanfter, gut verträglicher Baustein für Haut und Vitalität lohnt es sich, die Tremella für sich zu testen und aufmerksam zu beobachten, ob sie Ihnen guttut.
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Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Einnahme von Medikamenten besprechen Sie die Anwendung von Vitalpilzen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Aussagen zur Wirkung beziehen sich auf die allgemeine Studienlage und sind keine Heilversprechen für konkrete Produkte.

Quellen

Studien & Epidemiologie

  1. [2]Galla M, Mazzeo L, Tortorella S et al. (2025): Non-Animal Hyaluronic Acid from Tremella fuciformis: A New Source with a Structure and Chemical Profile Comparable to Hyaluronic Acid. Foods · PMID: 40282763
  2. [3]Shen T, Duan C, Chen B et al. (2017): Tremella fuciformis polysaccharide suppresses hydrogen peroxide-triggered injury of human skin fibroblasts via upregulation of SIRT1. Molecular Medicine Reports · PMID: 28627707

Reviews & Meta-Analysen

  1. [1]Wu YJ, Wei ZX, Zhang FM et al. (2019): Structure, bioactivities and applications of the polysaccharides from Tremella fuciformis mushroom: A review. International Journal of Biological Macromolecules · PMID: 30342120
  2. [4]Paterska M, Czerny B, Cielecka-Piontek J (2024): Macrofungal Extracts as a Source of Bioactive Compounds for Cosmetical Anti-Aging Therapy: A Comprehensive Review. Nutrients · PMID: 39203946