Wenige Pflanzen tragen einen so kraftvollen Ruf wie die Maca. In über 4.000 Metern Höhe in den peruanischen Anden — dort, wo Frost, dünne Luft und gnadenlose Sonne fast nichts mehr gedeihen lassen — bringt diese kleine Kreuzblütler-Knolle (botanisch Lepidium meyenii) ihre verdickte Wurzel hervor. Die Inka schätzten sie als Nahrung für Kraft, Ausdauer und Fruchtbarkeit, und bis heute trägt sie den Beinamen „peruanischer Ginseng”. Heute interessiert sich auch die moderne Forschung lebhaft für sie — vor allem dort, wo es um Libido, Energie und das hormonelle Auf und Ab geht. Was an diesem Andenschatz wirklich dran ist, sehen wir uns jetzt an.
Was Maca ausmacht
Maca gehört — anders als ihr Spitzname vermuten lässt — botanisch nicht zum Ginseng, sondern zur Familie der Kreuzblütler, also zur Verwandtschaft von Rettich, Kresse und Senf. Verwendet wird die knollige, kastaniengroße Wurzel, die getrocknet zu einem nussig-malzig schmeckenden Pulver vermahlen wird.
Maca wächst nicht in einer einzigen Form: Je nach Farbe der Wurzel unterscheidet man vor allem gelbe, rote und schwarze Sorten. Die gelbe Maca ist die häufigste, die schwarze und rote sind seltener — und genau diese Farbvarianten zeigen in der Forschung teils unterschiedliche Schwerpunkte. Das ist mehr als eine Spielerei: Wer Maca gezielt einsetzen möchte, sollte wissen, welche Sorte im Präparat steckt.
Die Wirkstoffe
Das pharmakologisch Spannendste an der Maca ist eine Stoffgruppe, die es so in kaum einer anderen Pflanze gibt: die Macamide und Macaene. Macamide sind fettähnliche Verbindungen (N-Benzylamide von Fettsäuren), die als die charakteristischen Leitsubstanzen der Maca gelten und im Zentrum der modernen Forschung stehen.6 Ihnen werden in Labor- und Tiermodellen unter anderem anti-ermüdende, antioxidative und neuroprotektive Eigenschaften zugeschrieben.
Dazu kommen Glucosinolate (die typischen Senföl-Vorstufen der Kreuzblütler), das Maca-eigene Alkaloid Macaridin, sowie Sterole, Mineralstoffe und Aminosäuren. Hochwertige Präparate orientieren sich zunehmend am Gehalt an Macamiden als Qualitätsmarker.
Wirkung auf Libido und sexuelle Funktion
Hier liegt das am besten untersuchte Feld. Eine systematische Übersichtsarbeit wertete randomisierte, placebokontrollierte Studien zu Maca und sexueller Funktion aus und kam zu einem ermutigenden Bild: Mehrere Studien deuteten auf einen positiven Effekt auf sexuelles Verlangen bei gesunden Männern sowie auf sexuelle Funktion bei Frauen hin.1
Besonders aufschlussreich ist eine zwölfwöchige Doppelblindstudie an gesunden erwachsenen Männern: Unter Maca (1.500 oder 3.000 mg täglich) stieg das subjektive sexuelle Verlangen gegenüber Placebo deutlich an.2 Das eigentlich Faszinierende daran: Die Wirkung trat ein, ohne dass sich der Testosteron- oder Östrogenspiegel veränderte. Maca scheint hier also über einen anderen, nicht-hormonellen Weg anzusetzen — anders als man es von einem klassischen „Potenzmittel” vielleicht erwarten würde.
Bei Frauen zeigt sich ein verwandtes Muster: In einer Studie an Frauen in den Wechseljahren verbesserten sich Maße der sexuellen Funktion — und auch hier blieben die gemessenen Hormonwerte unverändert.3
Der nicht-hormonelle Weg — warum das wichtig ist
Dieser Punkt verdient eigene Aufmerksamkeit, weil er Maca von vielen anderen Ansätzen abhebt: In den genannten Studien beeinflusste Maca die sexuelle Funktion und das Wohlbefinden, ohne als Hormon zu wirken — kein direkter Östrogen-Effekt, keine messbare Testosteron-Verschiebung.2 3 Auch Laboranalysen fanden in der Maca selbst keine relevante östrogene oder androgene Aktivität.3
Für viele Menschen ist genau das interessant: ein pflanzlicher Baustein, der das Thema Libido und Vitalität von einer anderen Seite anfasst als hormonell wirksame Mittel. Wie sich das für Sie persönlich anfühlt, lässt sich am ehesten in einem eigenen, achtsamen Versuch herausfinden.
Wirkung auf Stimmung und Wechseljahre
Die Anden-Knolle wird traditionell nicht nur mit Lust, sondern mit allgemeinem Wohlbefinden verbunden — und die Forschung greift das auf. In einer randomisierten, placebokontrollierten Crossover-Studie an Frauen nach der Menopause war die Einnahme von Maca (3,5 g täglich) mit einer Verringerung psychischer Beschwerden verbunden, insbesondere bei den Unterskalen für Ängstlichkeit und niedergeschlagene Stimmung — und das ebenfalls unabhängig von einer hormonellen Aktivität.3 Das passt zu dem Eindruck, dass Maca eher das allgemeine Befinden in einer fordernden Lebensphase stützt, als gezielt in einen einzelnen Hormonkreislauf einzugreifen.
Ein weiteres, klinisch besonders relevantes Feld: antidepressiva-bedingte sexuelle Funktionsstörungen. Viele Menschen, die SSRI gegen Depression einnehmen, erleben als Nebenwirkung ein Nachlassen von Lust und sexueller Funktion. In einer Doppelblindstudie an Frauen mit genau diesem Problem zeigten sich unter Maca-Wurzel (3,0 g täglich) Verbesserungen, die besonders bei Frauen nach der Menopause ausgeprägt waren.4 Eine kleinere Dosisfindungsstudie hatte zuvor bereits eine Zunahme des sexuellen Verlangens unter Maca beobachtet.5 Das sind frühe, kleine Studien — aber sie eröffnen einen ausgesprochen spannenden Ansatz für ein Problem, für das es bislang wenig gut verträgliche Optionen gibt.
Wirkung auf Energie und Ausdauer
Der Ruf der Maca als „Kraftknolle der Anden” hat einen handfesten Kern in den Macamiden. In experimentellen Modellen wirken diese einzigartigen Verbindungen anti-ermüdend: Sie werden mit einer besseren Ausdauerleistung, höheren Glykogenspeichern und einer geringeren Anhäufung von Ermüdungsstoffen in Verbindung gebracht.6 Beim Menschen ist dieses Feld noch jünger als das zur Libido — doch es erklärt, warum Maca traditionell als Nahrung für Arbeit, Höhe und Belastung geschätzt wurde und heute gern als natürlicher Energie-Baustein eingesetzt wird.
Anwendungsgebiete im Überblick
| Anliegen | Worüber die Wirkung diskutiert wird | Forschungsstand |
|---|---|---|
| Libido & sexuelles Verlangen | nicht-hormonaler Effekt, mehrere RCTs | unterstützend (mehrere RCTs) |
| Sexuelle Funktion (m/w) | Verbesserung ohne Hormonverschiebung | unterstützend (Human-Studien) |
| Stimmung & Wechseljahre | Reduktion psychischer Beschwerden | unterstützend (Human-Pilot) |
| Antidepressiva-bedingte Funktionsstörung | frühe RCTs, v. a. postmenopausal | in der Forschung |
| Energie & Ausdauer | anti-ermüdende Macamide | überwiegend experimentell |
Einnahme und Qualität
Bei Maca entscheiden Sorte, Aufbereitung und Reinheit über das Erlebnis — hier lohnt der genaue Blick:
- Gelatinierte Maca bevorzugen: Bei der Gelatinierung wird die rohe Wurzel schonend erhitzt, wodurch die schwer verdauliche Stärke aufgeschlossen wird. Das Ergebnis ist bekömmlicher und konzentrierter als rohes Pulver — gerade für empfindliche Mägen ein spürbarer Unterschied.
- Auf die Sorte achten: Gelbe, rote und schwarze Maca unterscheiden sich im Inhaltsstoffprofil. Hochwertige Präparate weisen die verwendete Sorte aus, statt nur „Maca” anzugeben.
- Macamid-Gehalt als Marker: Anspruchsvolle Hersteller standardisieren oder beziffern den Gehalt an Macamiden — ein aussagekräftigeres Qualitätssignal als die bloße Menge an Pulver.
- Herkunft und Reinheit: Authentische Maca stammt aus dem peruanischen Hochland; Labornachweise auf Schadstofffreiheit sind ein gutes Zeichen.
- Dosierung: In den Studien lagen die Tagesmengen meist bei rund 1,5 bis 3,5 g — Herstellerangaben und ärztlicher Rat gehen vor.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Maca wird seit Jahrhunderten als Nahrungsmittel verzehrt und gilt in den untersuchten Mengen als gut verträglich.6 Dennoch gilt: im Zweifel ärztlich abklären.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Datenlage für konzentrierte Präparate ist unzureichend; vorsorglich meiden bzw. ärztlich abklären.
- Hormonempfindliche Erkrankungen: Obwohl Maca in Studien nicht hormonell wirkte, sollten Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen die Einnahme ärztlich besprechen.
- Schilddrüse: Maca enthält als Kreuzblütler Glucosinolate; bei Schilddrüsenerkrankungen ist ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sinnvoll.
- Empfindlicher Magen: Rohes Maca-Pulver kann blähen — hier ist gelatinierte Maca die freundlichere Wahl.
Was Sie mitnehmen sollten
- Maca (Lepidium meyenii) ist die Kraftknolle der peruanischen Anden — ihre charakteristischen Macamide machen sie pharmakologisch einzigartig.
- Für Libido und sexuelle Funktion bei Männern und Frauen ist die Studienlage erfreulich konkret — und das Spannende daran: Maca wirkt dabei offenbar nicht hormonell, ohne Testosteron oder Östrogen messbar zu verschieben.
- Erste Studien deuten auf einen Nutzen für Stimmung, Wechseljahre und sogar für antidepressiva-bedingte Funktionsstörungen hin — ein vielversprechendes Feld, das die Forschung gerade vertieft.
- Die Macamide stützen den traditionellen Ruf als Energie- und Ausdauer-Baustein, beim Menschen noch überwiegend experimentell.
- Qualität entscheidet: gelatinierte Maca, eine ausgewiesene Sorte und der Macamid-Gehalt sind wichtiger als der Preis — und ob die Anden-Knolle Ihnen guttut, finden Sie am besten im eigenen, achtsamen Versuch heraus.
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Wie geht es weiter?
Wenn Sie das Thema vertiefen möchten, lohnt der Blick auf den verwandten Klassiker Ginseng sowie auf das Beschwerdebild Erschöpfung & Müdigkeit. Wer Stress und Belastbarkeit von der adaptogenen Seite angehen möchte, findet bei Ashwagandha ergänzende Anregungen.
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Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Einnahme von Medikamenten besprechen Sie die Anwendung von Maca mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Aussagen zur Wirkung beziehen sich auf die allgemeine Studienlage und sind keine Heilversprechen für konkrete Produkte.
Quellen
Studien & Epidemiologie
- [2]Gonzales GF, Córdova A, Vega K, Chung A, Villena A, Góñez C, Castillo S (2002): Effect of Lepidium meyenii (MACA) on sexual desire and its absent relationship with serum testosterone levels in adult healthy men
- [3]Brooks NA, Wilcox G, Walker KZ, Ashton JF, Cox MB, Stojanovska L (2008): Beneficial effects of Lepidium meyenii (Maca) on psychological symptoms and measures of sexual dysfunction in postmenopausal women are not related to estrogen or androgen content
- [4]Dording CM, Schettler PJ, Dalton ED, Parkin SR, Walker RSW, Fehling KB, Fava M, Mischoulon D (2015): A double-blind placebo-controlled trial of maca root as treatment for antidepressant-induced sexual dysfunction in women
- [5]Dording CM, Fisher L, Papakostas G, Farabaugh A, Sonawalla S, Fava M, Mischoulon D (2008): A double-blind, randomized, pilot dose-finding study of maca root (L. meyenii) for the management of SSRI-induced sexual dysfunction
Reviews & Meta-Analysen
- [1]Shin BC, Lee MS, Yang EJ, Lim HS, Ernst E (2010): Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review
- [6]Tarabasz D, Szczeblewski P, Laskowski T et al. (2024): Exploring the chemical and pharmacological variability of Lepidium meyenii: a comprehensive review of the effects of maca